Iyengar-Yoga ist eine Weiterentwicklung des Hatha-Yoga, in der auf die präzise und harmonische Ausrichtung des Körpers in den Asanas besonderer Wert gelegt wird. Um dabei auf die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Schülers eingehen zu können, werden Hilfsmittel wie Decken, Gurte oder Klötze benutzt.

Die Grundidee dieser Yogamethode wird vielleicht anhand von Iyengars Biografie deutlicher:

1918 wird Bellur Krishnamachar Sundaraja als elftes von dreizehn Kindern mitten in eine Grippeepidemie hineingeboren und leidet als Kind nicht nur an den Folgen dieser Krankheit und an Unterernährung, sondern später auch an Tuberkulose, Typhus und Malaria. Ärzte glauben, dass er das 20. Lebensjahr nicht erreichen wird.

Nach dem Tod seines Vaters 1929 wird er in der Familie herumgereicht und landet schließlich mit 15 Jahren bei seiner Schwester in Mysore, die mit dem berühmten Yogi und Gelehrten T. Krishnamacharya verheiratet ist. Sein Schwager wird zu seinem einflussreichsten Lehrer und Guru.

Nach drei Jahren Lehrzeit wird Iyengar von Krishnamacharya nach Pune geschickt, um dort für Medizinstudenten an einem College Yogaunterricht zu geben. Mit Kreativität, Hingabe und Disziplin wird das Ausüben der Asanas für ihn zu einer ständig andauernden Forschung am eigenen Körper und seine Unterrichtsmethode zu einer Anpassung der Yogastellungen an die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Schüler. Für beide erfindet er Hilfsmittel, damit die Praxis mancher Asanas überhaupt erst möglich wird:

" Wie konnte ich einen Mann dazu bringen, Yoga zu machen, der noch nicht einmal stehen konnte? Ich begann Trikonasana auf dem Boden liegend zu unterrichten (...) Weil er seine Beine nicht spreizen konnte, legte ich einen Spazierstock dazwischen, damit sie nicht wieder zusammen rutschten. Auf diese Weise habe ich gelernt.(...) Zum zweiten praktizierte ich an mir selbst. Ich konnte noch längst kein Hannumanasana als ich nach Pune kam und auch Baddha Konasana gelang nicht gut. Zu der Zeit konnte man große Steine auf den Straßen finden. Niemand achtete darauf. Ich nahm solche Steine, um sie mir auf die Beine zu legen. Was immer ich auf den Straßen fand und hilfreich für Yoga entdeckte, nahm ich mit nach Hause. Kennen sie die Walzen, mit denen Straßen geglättet werden? Auf diesen Walzen übte ich Rückwärtsbeugen, weil mein Körper von sich aus nicht dazu in der Lage war. Wenn ich eine Maschine sah, legte ich mich mit dem Rücken über die Walze, ohne auf den Verkehr zu achten..."

Inzwischen werden unterstützte Rückbeugen nicht mehr im Stadtverkehr in Pune auf indischen Straßenwalzen, sondern auf ikea-Stühlen in europäischen, amerikanischen und japanischen Turnhallen geübt. Iyengar- Yoga gehört zu den weltweit meistpraktizierten Yogamethoden, "Licht auf Yoga" gilt als die Bibel des Hatha-Yoga und B.K.S. Iyengar als eine der wichtigsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.